Auf zwei Treffen mit Arbeitgeberverbänden haben Kanzler Schröder und Arbeitsminister Clement einen schnelleren Abbau von Arbeiterrechten und Sozialstaat versprochen.
![]() |
---|
Analyse: Mit Rot-Grün zu Kohl
|
Alle sind gut gelaunt auf dem Jahresempfang des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Rhythmisch klatscht der Präsident des mächtigen Arbeitgeberbundes Rogowski zum Radetzky-Marsch. Gemeinsam mit Rogowski klatscht Arbeitsminister Clement.
Später lobt Rogowski in seiner Rede den Tatendrang des Arbeitsministers. Die Richtung von Clements Politik stimme. Clement revanchiert sich und verspricht für die Zukunft "spannende Public-Private-Partnership". Auf deutsch: eine Partnerschaft zwischen Staat und Bossen. Bis nach Mitternacht feiert Clement noch gemeinsam mit den Mächtigen.
"Der Gesprächsfaden ist wieder da, die klimatischen Störungen sind ausgeräumt", kommentiert ein BDI-Präsidiumsmitglied die Gute-Laune-Veranstaltung. "So viel Schmusekurs war selten", meint die Wirtschaftszeitung Financial Times über das Treffen Mitte Januar.
Clements erstes Geschenk für die Bosse ist seine Forderung, Beschäftigte sollten leichter gefeuert werden können. Kommt Clement damit durch, verlören 8 Millionen Menschen ihren Kündigungsschutz das wäre jeder vierte Beschäftigte. Arbeitgeberpräsident Hundt meinte sofort: "Ich begrüße den Vorschlag."
Geschenk Nummer zwei ist Clements Plan, eine "Experimentierklausel" ins Grundgesetz einzufügen. Damit können die Bundesländer Bundesgesetze umgehen, welche die Macht der Unternehmer beschränken. Schon Ende letzten Jahres ließ Clement bei den Bossen nachfragen, welche Reformen sie fordern.
Die Wunschliste der Chefetagen hat Clement jetzt im "Masterplan Bürokratieabbau" zusammengefasst. Er sieht unter anderem einen umfangreichen Abbau von Arbeitsschutz- und Gesundheitsschutzbestimmungen in den Betrieben vor. Die Unfallversicherung soll privatisiert werden. Unternehmer sollen zudem das Recht erhalten, so oft sie wollen nur noch befristete Arbeitsverträge auszustellen.
Kanzler Schröder unterstützt seinen Arbeitsminister: "Was Wolfgang Clement thematisiert hat, sind interessante Ansätze", so Schröder. Der Kanzler traf am 20. Januar selbst Arbeitgeberpräsident Hundt, um weitere arbeitgeberfreundliche Reformen des Arbeitsmarktes und des Sozialstaates zu versprechen. Die Einführung von mehr Billiglöhnen hat die Regierung bereits beschlossen.
Auch die Union habe sich "durchgesetzt", erklärte CDU-Chefin Angela Merkel. Und der nordrhein-westfälische SPD-Abgeordnete Dieter Wiefelspütz wunderte sich: "Wir kriegen Beifall in den Medien dafür, dass wir die Positionen der Union als unsere ausweisen – merkwürdig."