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Das ist Marxismus
Einleitung
Warum wir eine marxistische Theorie brauchen
Geschichte verstehen
Klassenkampf
Wie der Kapitalismus entstanden ist
Die Arbeitswertlehre
Wirtschaftskrisen
Die Arbeiterklasse
Wie kann die Gesellschaft verändert werden?
Wie Arbeiter Revolutionäre werden
Die revolutionäre Partei
Imperialismus und nationale Befreiung
Familie und Frauenunterdrückung
Die Befreiung der Frau
Anhang 1: Literaturtips
Anhang 2: Vorschläge zur Benutzung dieser Broschüre

Klassenkampf

Wir leben in einer Gesellschaft, die nach Klassen aufgeteilt ist, in der einige Menschen riesiges Privateigentum und die meisten von uns so gut wie nichts haben.

Und irgendwie erscheint es uns selbstverständlich, daß dies schon immer so gewesen sei. Aber tatsächlich gab es während eines größeren Teils der Menschheitsgeschichte keine Klassen, kein Privateigentum, keine Armeen und keine Polizei. So war es eine halbe Million Jahre bis etwa vor 5 bis 10 Tausend Jahren.

Es konnte solange keine Klassenaufteilung geben, wie die Menge von Nahrungsmitteln, die von einer Person erarbeitet wurde, gerade ausreichte, diese Person am Leben zu erhalten. Warum sollte man sich Sklaven halten, wenn das, was diese herstellten, gerade genug war, um sie am Leben zu erhalten?

Aber von einem bestimmten Punkt der Entwicklung an wurde die Klassenteilung nicht nur möglich; sondern sogar notwendig. Es wurden nun genügend Nahrungsmittel hergestellt, daß ein Überschuß übrigblieb, nachdem die unmittelbaren Produzenten den Teil für sich abgezogen hatten, den sie zum Leben brauchten. Darüber hinaus gab es jetzt auch Möglichkeiten, diese Lebensmittel aufzubewahren und von einem Ort zu einem anderen zu transportieren.

Die Menschen, die diese Nahrungsmittelüberschüsse erarbeiteten, hätten diese besonderen Überschüsse durchaus auch noch verzehren können. Da sie ein ziemlich kärgliches Leben fristeten, gerieten sie auch stark in Versuchung. Aber das hätte sie der Unbill der Natur ausgeliefert, den Hungersnöten oder einer Flut im nächsten Jahr und den Angriffen hungriger Stämme aus entfernten Gebieten.

Zuerst war es für alle von großem Vorteil, wenn es eine besondere Gruppe von Menschen gab, die die Verantwortung über die Überschüsse übernahm, sie sicher aufbewahrte, sie zur Unterstützung von Handwerkern verwandte, damit Verteidigungseinrichtungen baute oder Teile davon gegen nützliche Güter anderer Völker eintauschte. Alle diese neuen Tätigkeiten konzentrierten sich auf die ersten Städte, wo die Verwaltungsfachleute, Kaufleute und Handwerker lebten. Aus den Tafeln zur Kontrolle der verschiedenen aufbewahrten Reichtümer entwickelten sich erste Schriften.

Es waren die ersten stolpernden Schritte in das, was wir Zivilisation nennen. Aber - und es war ein großes 'Aber' - all das beruhte auf der Kontrolle der angewachsenen Reichtümer durch eine kleine Minderheit der Bevölkerung. Und diese Minderheit benutzte die Reichtümer zum eigenen Vorteil wie auch zum Vorteil der gesamten Gesellschaft.

Je weiter sich die Produktion entwickelte, desto größere Reichtümer fielen in die Hände dieser Minderheit - und desto größer wurde die Trennung dieser von der übrigen Gesellschaft.

Regeln, ursprünglich aufgestellt zum Nutzen der Gesellschaft, wurden zu 'Gesetzen', die den Reichtum und das Land zur Herstellung dieses Reichtums zum 'Privateigentum' der Minderheit erklärten. Eine herrschende Klasse war entstanden - und mit ihr Gesetze zur Verteidigung der Macht.

Man mag vielleicht fragen, ob nicht eine andere Entwicklung denkbar gewesen wäre, die denen, die das Land bearbeiteten, die Kontrolle über ihre Produkte gesichert hätte.

Die Antwort muß 'Nein' heißen. Nicht wegen der menschlichen Natur, sondern weil die Gesellschaft immer noch sehr arm war. Die Mehrheit der Erdbevölkerung war viel zu sehr damit beschäftigt, die Erdoberfläche für ein armseliges Dasein zu beackern, als daß sie Zeit und Muße gehabt hätte, Schrift- und Lesesysteme zu entwickeln, Kunstwerke zu schaffen, Schiffe für den Handel zu bauen, die Bahn der Sterne zu erforschen, die Elementargesetze der Mathematik zu entdecken, herauszufinden, wann die Flüsse das Land überfluteten oder wie man Bewässerungskanäle anlegt.

All diese Entdeckungen konnten nur gemacht werden, weil ein Teil der Lebensmittel der Masse der Menschen entzogen und stattdessen dafür eingesetzt wurde, eine bevorzugte Minderheit zu unterhalten, die sich nicht von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang plagen mußte.

Das bedeutet jedoch keineswegs, daß die Teilung in Klassen auch heute noch notwendig ist. In den letzten hundert Jahren hat es eine Entwicklung der Produktion gegeben, mit der die Menschheit in der vorangegangenen Geschichte nicht einmal in ihren kühnsten Träumen rechnen konnte. Die natürliche Knappheit ist überwunden - heute gibt es eine künstliche Knappheit, die durch die Vernichtung von Lebensmitteln durch Regierungen entsteht.

Die heutige Klassengesellschaft ist nicht mehr fortschrittlich, sondern hält die Menschheit zurück.

Nicht nur der Übergang von der reinen landwirtschaftlichen Gesellschaft zur städtischen gab den Anstoß zur Klassenteilung. Der gleiche Prozeß wiederholte sich jedesmal, wenn neue Wege der Produktion entwickelt wurden.

So gab es in Deutschland vor tausend Jahren eine herrschende Klasse von Feudalherren, die das Land kontrollierte und die auf Kosten von Leibeigenen lebten. Aber als sich der Handel im großen Maßstab zu entwickeln begann, entstand neben dem Landadel eine neue privilegierte Klasse von mächtigen Kaufleuten. Und als sich die Industrie dann ausbreitete, wurde deren Macht wiederum durch die Besitzer der Industrieunternehmen in Frage gestellt.

Zu jedem Entwicklungsstadium der Gesellschaft gehörte eine unterdrückte Klasse, die mit ihrer körperlichen Arbeit den Reichtum schuf, und eine herrschende Klasse, die den Reichtum kontrollierte. Aber mit dem Wandel der Gesellschaft änderte sich das Verhältnis von Unterdrückten und Unterdrückern.

In der Sklavengesellschaft des alten Roms waren die Sklaven persönliches Eigentum der herrschenden Klasse. Der Sklavenbesitzer besaß die Güter, die von Sklaven erarbeitet worden waren, weil er die Sklaven besaß, genauso wie ihm die Milch seiner Kühe gehörte, weil die Kühe ihm gehörten.

In der feudalen Gesellschaft des Mittelalters hatten die Untertanen selbst Land zur Verfügung und ihnen gehörte, was sie darauf erwirtschafteten; aber dafür, daß sie dieses Land hatten, mußten sie eine bestimmte Anzahl von Tagen im Jahr auf dem Land des Feudalherren arbeiten. Ihre Zeit wurde aufgeteilt: vielleicht mußten sie die Hälfte ihrer Zeit für den Herrn arbeiten, die andere Hälfte arbeiten sie für sich. Wenn sie sich weigerten, für den Herrn zu arbeiten, war dieser befugt, sie dafür zu bestrafen (durch Auspeitschen, Einsperren oder Schlimmeres).

In der modernen kapitalistischen Gesellschaft besitzt der Unternehmer weder den Körper des Arbeiters noch darf er ihn körperlich züchtigen, wenn dieser sich weigert, unbezahlte Arbeit für ihn zu leisten. Aber er besitzt die Fabriken, in denen der Arbeiter einen Job aufnehmen muß, wenn er am Leben bleiben will. Deshalb ist es leicht für den Unternehmer, den Arbeiter zu zwingen, sich mit einem Lohn abzufinden, der weit unter dem Wert der Waren liegt, die er mit seiner Arbeit in der Fabrik herstellt.

In jedem Fall erhält die herrschende Klasse die Kontrolle über jenen Teil des Reichtums, der übrigbleibt, nachdem die Grundbedürfnisse der Arbeiter gestillt sind. Der Sklavenbesitzer will sein Eigentum in guter Verfassung erhalten, deshalb füttert er seine Sklaven etwa genauso, wie man sein Auto pflegt und ölt. Aber alles, was über den körperlichen Bedarf des Sklaven hinaus übrigbleibt, benutzt der Eigentümer zu seinem eigenen Vergnügen. Der feudale Leibeigene muß sich selbst ernähren und kleiden von der Arbeit, die er in sein eigenes Stückchen Land steckt. Die zusätzliche Arbeit, die er auf den Feldern des Feudalherrn verrichtet, kommt dem Feudalherrn zugute.

Der moderne Arbeiter erhält einen Lohn. Alle darüber hinausgehenden Reichtümer, die er schafft, gehen in Form von Gewinn, Zinsen oder Mieten an die Unterneherklasse.

Klassenkampf und Staat

Selten haben die Arbeiter in der Geschichte sich mit ihrem Los abgefunden, ohne sich zu wehren. Es gab Sklavenaufstände im alten Ägypten und unter den Römern, Bauernaufstände im chinesischen Reich, Bürgerkriege zwischen den Armen und Reichen in den Städten des alten Griechenlands und im Europa des späten Mittelalters.

Deshalb begann Marx seine Broschüre "Das kommunistische Manifest" mit den Worten: »Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaften ist die Geschichte von Klassenkämpfen.« Das Wachstum der Zivilisation war abhängig von der Ausbeutung einer Klasse durch eine andere und infolgedessen auch vom Kampf dieser beiden Klassen gegeneinander. Selbst der mächtigste der ägyptischen Pharaonen, die römischen Kaiser, die mittelalterlichen Prinzen wären ein Nichts gewesen, wenn es ihnen nicht gelungen wäre, die Produkte der ärmsten Bauern oder Sklaven in ihren Besitz zu bringen.

Das wiederum konnte auf Dauer nur gelingen, wenn neben der Aufteilung in Klassen etwas anderes heranreifte - nämlich die alleinige Verfügung der Herrscher und ihrer Anhänger über die Gewaltmittel.

In den frühesten Gesellschaften hatte es keine Armee, Polizei oder Staatsapparat neben und getrennt von der Mehrheit des Volkes gegeben. Selbst vor 50 oder 6o Jahren konnte man in Teilen Afrikas Stämme finden, bei denen das immer noch so war. Viele Aufgaben, die heutzutage in unseren Gesellschaften vom Staat wahrgenommen werden, wurden ganz einfach von der ganzen Bevölkerung oder von Vertreterversammlungen ausgeübt.

Solche Versammlungen sprachen Recht über das Verhalten einzelner Gesellschaftsmitglieder, die gegen wichtige Regeln der Gemeinschaft verstoßen hatten. Die Strafe wurde von der gesamten Gemeinschaft verhängt - indem man z.B. den Übeltäter aus der Gemeinschaft verjagte. Da jedermann von der Notwendigkeit der Strafe überzeugt war, brauchte man keine besondere Polizei, um die Strafe durchzusetzen. Im Kriegsfall wurden unter den für diesen Zweck gewählten Kriegsführern alle jungen Männer herangezogen, wiederum ohne irgendeine besondere Armeestruktur.

Aber von dem Augenblick an, wo eine Minderheit der Gesellschaft die Kontrolle über den größten Teil des Reichtums besaß, konnten diese einfachen Methoden zur Aufrechterhaltung von "Gesetz" und Ordnung" und zur Kriegsführung nicht länger funktionieren. Jede Vertreterversammlung und jede Versammlung bewaffneter junger Männer spaltete sich entlang den Klassenlinien.

Die privilegierte Gruppe konnte nur dann überleben, wenn sie in ihren Händen den Erlaß und Vollzug von Strafen und Gesetzen, die Organisation von Armeen, die Produktion von Waffen monopolisierte. So war die Klassenteilung begleitet vom Anwachsen einer Vielzahl von Richtern, Polizisten, Geheimpolizisten, Generälen und Bürokraten. Sie alle bekamen einen Teil des Reichtums der privilegierten Klasse dafür ab, daß sie deren Herrschaft beschützten.

Diejenigen, die sich in die Dienste dieses Staates begaben, wurden dazu erzogen, den Befehlen ihrer Vorgesetzten ohne Zögern zu gehorchen und wurden von allen gewöhnlichen Bindungen zu den ausgebeuteten Massen des Volkes abgeschnitten. Der Staat entwickelte sich zu einer Tötungsmaschine in den Händen der privilegierten Klasse. Und diese Maschine konnte sehr gut funktionieren.

Natürlich kam es häufig vor, daß die Generäle, die diese Tötungsmaschine führten, sich mit einem Herrscher oder König überwarfen und versuchten, sich selbst an dessen Stelle zu schwingen. Die herrschende Klasse hatte sich ein bewaffnetes Ungeheuer hochgezogen, das sie oft selbst nicht mehr kontrollieren konnte. Aber da aller Reichtum, der zum Erhalt der Tötungsmaschine notwendig war, von der Ausbeutung der arbeitenden Massen kam, endete jede dieser Art von Rebellion mit der Fortsetzung der Gesellschaft nach altem Muster.

Wann immer in der Geschichte Menschen ihre Gesellschaft zum Besseren verändern wollten, sahen sie sich nicht nur einer privilegierten Klasse gegenüber, sondern auch einer bewaffneten Organisation, einem Staat, der die privilegierte Klasse schützte.

Die herrschenden Klassen und mit ihnen ihre Priester, Generäle, Polizisten, Richter und Gefängniswärter, waren ursprünglich alle einmal entstanden, weil ohne sie kein Fortschritt der Zivilisation möglich gewesen wäre. Aber wenn sie an der Macht sind, entwickeln sie Interessen, die dem weiteren Fortschritt der Zivilisation entgegenstehen. Ihre Macht hängt von ihrer Fähigkeit ab, diejenigen, die den Reichtum produzieren, zur Abgabe des Reichtums zu zwingen. Sie werden mißtrauisch gegenüber neuen Produktionsmethoden - selbst wenn sie wirksamer sind als die alten -, weil sie fürchten, die Kontrolle darüber zu verlieren.

Sie fürchten vor allem jede Eigeninitiative und jedes Selbstbewußtsein der ausgebeuteten Massen. Und sie fürchten sich auch vor dem Heranwachsen neuer privilegierter Gruppen, die über genügend Reichtum verfügen könnten, um sich eigene Waffen und eigene Armeen anzuschaffen. Von einem bestimmten Zeitpunkt an begannen die Herrscher, die Entwicklung der Produktion zu behindern, statt sie voranzutreiben.

Zum Beispiel beruhte im alten chinesischen Reich die Macht der herrschenden Klasse auf dem Besitz des Landes und der Kanäle und Dämme zur Bewässerung und zur Verhinderung von Überflutungen. Diese Kontrolle legte den Grundstein für eine zweitausendjährige Zivilisation. Aber gegen Ende dieser Zeit war die Produktion nicht viel weiter entwickelt als zu ihrem Beginn - trotz der Blüte der chinesischen Kunst, der Entdeckung der Drucktechnik und des Schießpulvers - alles zu einer Zeit, als Europa noch in dunklen Vorzeiten lag.

Der Grund war, daß sich die neuen Produktionsformen in den Städten durch die Initiative von Kaufleuten und Handwerkern entwickelten. Die herrschende Klasse fürchtete die wachsende Macht einer gesellschaftlichen Gruppe, die sie nicht vollständig kontrollierte. Deshalb ergriffen die kaiserlichen Mächte des alten Chinas in regelmäßigen Abständen harte Maßnahmen zur Zerschlagung der wachsenden Wirtschaftsmacht in den Städten, die Produktion wurde gesenkt und so die Macht der neuen städtischen Klassen zerstört.

Das Wachstum der neuen Produktivkräfte (neuer Mittel und Methoden zur Herstellung des Reichtums) geriet in Widerspruch zu den Interessen der alten herrschenden Klasse. Ein Kampf entwickelte sich, dessen Ausgang über den Fortgang der Gesellschaft insgesamt entschied.

Manchmal war das Ergebnis, wie in China, daß die Entwicklung neuer Formen der Produktion verhindert wurde und die Gesellschaft infolgedessen für lange Zeiträume unverändert blieb und stagnierte.

Manchmal führte die Unfähigkeit zur Entwicklung neuer Produktionsweisen schließlich dazu, daß der erarbeitete Reichtum nicht mehr ausreichte, um die Gesellschaft auf ihren alten Grundlagen zu erhalten, wie zum Beispiel im alten römischen Reich. Dann brach die Zivilisation zusammen, die Städte wurden zerstört, die Menschen kehrten zurück zur rohen, rein landwirtschaftlichen Form der Gesellschaft.

Manchmal gelang es einer neuen Klasse, die ihre Existenz neuen Formen der Produktion verdankte, sich so zu organisieren, daß sie die alte herrschende Klasse schwächen und schließlich stürzen konnte und mit dieser deren Rechtssystem, deren Armeen, die Ideologie und Religion. Dann konnte die Gesellschaft sich vorwärts entwickeln.

Ob sich eine Gesellschaft nun weiterentwickeln konnte oder zurückfiel, hing in jedem Fall davon ab, wer den Krieg der Klassen gewann. Und - wie in jedem Krieg - war der Sieg im voraus nicht gesichert, sondern hing von der Organisation, dem Zusammenhalt und der Führung der rivalisierenden Klassen ab.

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